interrail – eine etwas andere Bahnreise

Eine Reise mit der Bahn, die mit Zwischenstops fast drei Wochen dauert, in Italien, der Schweiz, Spanien, Portugal und Frankreich die Schnellzüge frequentiert, will wohl überlegt und gut geplant sein. Dabei werden/wurden die Städte Mailand, Zürich, Barcelona, Madrid, Huelva, Lissabon, Santiago de Compostela und Paris besucht. Die Bewertungen und Empfehlungen/Tipps der besuchten Städte habe ich separat unter den Städtetouren abgespeichert. Die nachfolgenden Schilderungen beziehen sich auf das Thema Reisen mit der Bahn.

Insgesamt wurden gut 6000 km mit der Bahn, 300 km mit dem Bus, 1500 km mit dem Flugzeug und viele km zu Fuß zurückgelegt.

Von… nach… Luftlinie km Bahn km Bus km Flug km
Peine – Braunschweig 23 29    
Braunschweig- – Spiez 655 852    
Spiez – Mailand 179 215    
         
Mailand – Zürich  218 264    
           
Zürich  – Paris   489 654    
Paris  – Barcelona    832 1070    
           
Barcelona  –  Madrid  506 621    
         
Madrid  – Sevilla  392 475    
Sevilla  – Huelva- 86 96    
           
Huelva  – Faro   91   112  
Faro  – Lissabon     218 297    
           
Lissabon – Braga   320 395    
Braga  – Santiago  de Compostela   149   186  
           
Santiago – A Coruna u. zurück   112 132    
           
Santiago de Compostela – Vigo    74 105    
Vigo – Madrid   465     465
Madrid – Paris   1054     1054
           
Paris – Köln   404 541    
Köln – Hannover 334 274    
Hannover – Peine 35 37    
           
  Summen 6636 6057 298 1519
           
      Summe zurückgelegt:  7874

Am 26.4. geht es los. Der erste ICE hat ein technisches Problem und startet mit einer halben Stunde Verspätung. Da wäre der erste Anschlusszug in Spiez schon mal verpasst – aber die Kollegen der DB machen ihren Job und die Verspätung schrumpft. Schließlich wird in Basel der Zug gewechselt – dazu ist diese flexible Fahrkarte ja da. Pünktlich endet der erste Reisetag in Mailand.

Das interrail Zugticket – 1.Klasse

In  meinem geschätzten Alter möchte man selbstredend nicht die Nächte im Zug verbringen, und viele Stunden Zugfahrt können so in der ersten Klasse helfen, das Reisefeeling etwas angenehmer zu gestalten. Ein 1. Klasse Ticket ist hier nicht so viel teurer ….pro Reisetag kostet das etwa 60  Euro. Die interrail Preisgestaltung ist komplex und ich verzichte hier auf eine Darstellung im Detail. Wissen sollte man aber, dass im Ausland gerade bei den Highspeed Schnellzügen eine Reservierungspflicht besteht. Diese kostet extra und das Prozedere, diese Reservierungen vorab vorzunehmen, ist leider aufwendig und teuer. Für den Alfa Pendular Zug in Portugal ist mir das per Internet nicht gelungen, die Auskünfte verweisen alle darauf, das an einem portugiesischen Bahnhof vor Ort zu tun – mal sehen.

Mailand

Bei Airbnb wurde eine zentrale Unterkunft gebucht. Diese Variante ist eine schöne Alternative zu teuren und immer gleich anmutenden Hotels. Das Nahverkehrssystem in Mailand besteht aus der Metro, der S-Bahn, dem Bus und der Tram. Die Nahverkehrs Preise sind super günstig ….eine Fahrt kostet 1,50 Euro, das Tagesticket 4,50 und das für 48 Std. 8,25! Sucht man dafür den Automaten – ist das eine echte Suche….besser wird man gleich im Kiosk bedient. Nach einem Tag habe ich dann auch das System der Verbindungen verstanden, so hält die S-Bahn am Bahnhof Garibaldi, der Fernverkehr läuft aber über den Bahnhof Centrale. Wer spät unterwegs ist, sollte unbedingt auf den bereits ab 22 Uhr einsetzenden Nachtverkehr achten. Allerdings schafft man auch zu Fuß ganz gut den einen oder anderen Kilometer in dieser Stadt. Ein paar weitere Details zur Stadt habe ich im Blogbereich Städtetour abgelegt. Hier soll es ja um die Reisekultur mit dem Schwerpunkt Bahn gehen.

Mailand – Zürich

Unspektakulär mit dem EC geplant. Dann fällt der aus und die Kollegen der Bahn aus Italien und der Schweiz stellen kurzerhand zwei Ersatzzüge, die bis/von Lugano fahren und mit minimaler Verspätung kommt man in Zürich an. Tolles Engagement und die italienischen Schaffner gehen von Platz zu Platz und erklären den Reisenden die Situation.

Zürich – Paris

TGV Lyria – 4 Std. Fahrtzeit. Ca. 654 km. Der Zug kommt erst auf der Ausbaustrecke in Frankreich in Fahrt, dann aber richtig. Die Verpflegung beschränkt sich auf einen Cafe und ein Croissant, aber im Bord Bistro gibt es kleine Snacks und Getränke gegen Bezahlung. 

Paris – Barcelona

TGV (Duplex) – 6 Std. 20 Fahrtzeit, Geschwindigkeit bis 320 km/h, ca. 1070 km. Beim Umstieg muss man wissen, in welcher Halle der TGV abfährt – ich musste eine andere Bahnhofshalle im Gare de Lyon aufsuchen, nachdem ich die Anzeigentafel gefunden hatte, um das zu erkennen. Die Schaffner im Zug (TGV Lyria) konnten das im Zug nicht ermitteln. Durch den Doppelstockwagen (auch in der 1. Klasse) gibt es etwas weniger Beinfreiheit, die Zureichung unentgeltlicher Getränke oder Snacks fiel aus – dafür sind die Bistro Preise gefühlt halbiert gegenüber denen im ICE. Der Zug macht ein wahnsinniges Tempo und fährt dabei gefühlt ruhig. Durch die wenigen Tunnel und eher wenigen Absperrungen, gibt es auch landschaftlich viel zu sehen. Eine ganz angenehme Fahrt. Der Zug war vollbesetzt und scheint zum Flieger eine echte Variante zu sein, die angenommen wird.

Barcelona – Madrid

AVE – 621 km in 2 Std. 30 mit Höhenüberquerung auf 1218 m. Wie weiter unter im Bahnvergleich auch beschrieben – war dieses der komfortabelste Zug, was die Ausstattung und das Ambiente angeht. Leider streikte das Servicepersonal; so fiel auch hier die Möglichkeit für ein Getränk/Snack leider aus. Eine Zeitung durfte sich der Passagier gern selbst nehmen. Es fahren eine Reihe von AVE zwischen Barcleona und  Madrid – mein Zug war nicht ausgebucht, zumindest nicht die 1. Klasse. Mit dem Flugzeug wäre man hier kaum schneller unterwegs, diese Standorte zu verbinden. Eine atemberaubende, schnelle Zugfahrt, ruhig in der Spur und gefühlt absolut angenehmes Fahren!

Madrid – Sevilla – Huelva

  1. AVE bis Sevilla.

2. Regionalzug (Media Distancia) bis Huelva.

Bis Sevilla in einer leicht anderen Bauweise des AVE – aber auch hier eine angenehme Zugfahrt mit viel Beinfreiheit; leider streikte das Servicepersonal der Bahn (Renfe) noch immer. Ab Sevilla dann einmal mit einem Regionalzug. Auch hier besteht Reservierungspflicht! In Sevilla habe ich dann auch einmal die Lounge des AVE besucht (für 1. Klasse ist das ein Wartebereich mit Getränken, Snacks, Zeitungen usw…). Eigentlich wartete ich ja nicht mehr auf einen AVE, aber die nette Dame am Counter machte eine Ausnahme.

Huelva – Faro (Portugal)

Alsa Bus – So – nun einmal Bus fahren, um die Landesgrenze zwischen Spanien und Portugal zu überqueren, hält der Bus an der Grenze kurz an, um den Grenzbeamten einen persönlichen Blick auf die Fahrgäste werfen zu lassen. Diese Busfahrt im ziemlich leeren Bus empfahl den Busfahrer als einen vorbildlichen Fahrer, der umsichtig und trotzdem zügig zum Ziel fuhr.

Faro – Lissabon – Braga

Alfa Pendular – Diese Zugreihe aus portugiesischer Bauweise sollte eigentlich auch eine Schnellbahn sein. Aus nicht näher bekannten Gründen, gab es auf der Strecke aber „Streckenprobleme“ und so schob sich dieser Zug eine ganze Zeit lang mit 30 km/h  auf dem Gleis dahin. Da es aber keine Unruhen im Zug gab, schien diese Verzögerung nicht so viel Stress zu machen, wie das in Deutschland wohl der Fall gewesen wäre. Es wurden auch keine Formulare zur Fahrgastentschädigung herum gereicht und schließlich ist auch hier der Weg das Ziel gewesen. Die zweite Stecke Lissabon nach Braga verlief dann 100 %ig nach Plan.

Braga – Santiago de Compostela

Damas Bus – ein zweites mal mit dem Bus, hier mit der Firma Damas ab Braga. Eine schreckliche Busstation in Braga, eine – gegenüber den Fahrten mit der Bahn – raue, ruckelige Fahrt in einem vollbesetztem Bus mit wenig Platz für den Fahrgast. Da war ich froh, am Zielort angekommen zu sein.

Santiago de Compostela – A Corunha – Vigo

Media Distancia Renfe Zug – Ganz entspannt fährt man hier diese kurzen Strecken. Durch die reservierten Plätze gibt es nie Streit um einen Platz oder gar Gedränge beim Einsteigen, allein die Suche des Wagens muss noch ein wenig eingeübt werden, da es keine Wagenstandsanzeiger auf den Bahnhöfen gibt.

Vigo – Madrid – Paris

Iberia Flug; Um die lange Distanz zur Heimreise ein wenig zu überbrücken, wählte ich einen Gabelflug von Vigo über Madrid nach Paris Orly. Gebucht auf einer rein spanisch „sprechenden“ Webseite, wurde der Flug tadellos abgewickelt und die gut 1500 km in 4 Std. über zwei Flughäfen zurückgelegt.

Paris – Köln – Hannover

Thalys bis Köln, ICE bis Hannover. Der Tahlys sollte es unbedingt noch sein – und die Fahrt von Paris (Achtung – Thalys fährt vom Gare du Nord – nicht vom Gare de Lyon!) nach Köln war servicetechnisch dann auch ein krönender Abschluss. Es gibt in der First Class ab Paris hier zur Mittagszeit ein Mittagsmenü, dann noch ein separates Dessert und auf dem letzten Teilstück noch einen Cafe. Selbstredend gäbe es auch alternative Getränke. Die Zugfahrt selbst ist etwas spurbetonter und kleine Änderungen in eben dieser Spur werden wahrgenommen, das hatte ich beim TGV und AVE so nicht gespürt. Auch ist das Ambiente im Thalys fast schon etwas aus der Zeit gefallen – aber dafür eben mit viel Support am Platz.

Fazit: Bahnreisen einmal anders zu erleben war das Ziel und es lieferte mir viele Eindrücke und Erlebnisse. Die Bewertung der Bahnsysteme habe ich hier noch einmal zusammengefasst:

Vergleich einiger Bahnsysteme in Deutschland, Italien, Spanien, Portugal und Frankreich

Auf meiner Tour bin ich mit dem ICE in Deutschland, dem TGV Lyra als Verbindung Schweiz – Frankreich, dem TGV Duplex von Frankreich nach Spanien, dem AVE in Spanien, dem Alfa Pendular in Portugal und einigen Regionalbahnen gefahren. Genereller Unterschied ist zunächst einmal die Regierungspflicht zum ICE in den übrigen hier genannten Schnellbahnen. Teilweise ist es notwendig, das Gepäck durchleuchten zu lassen und sich einem Sicherheitscheck zu unterziehen.  Die Zuordnung zu den Gleisen erfolgt immer erst kurz vor Abfahrt – die Gleise werden auch erst dann für den Zugang freigegeben.  Auch wird darauf geachtet, daß alle Passagiere, die aussteigen, auch das Gleis verlassen; Gleise sind hier keine Wartebereiche. Was etwas ungewohnt ist, dass die Wagenreihung, um seinen „Coche“ zu finden, nicht angezeigt wird. Aber das ist 50:50, wenn man den Wagen 2 sucht, ist der entweder in Fahrtrichtung vorn oder hinten. Auch die in Deutschland überall aushängenden Fahrpläne mit Abfahrtzeiten und Ankunft, sucht man vergebens. Überall ist ein elektronisches Display zu ermitteln, das die nächsten 5 bis 10 Züge und deren Gleiszuordnung zeigt. Auf dem Bahnhof Oriente in Lissabon sieht man da sehr viele Displays, die Werbung aufmachen und mit dem Zugverkehr nichts zu tun haben. Also zunächst ist eine spontane Zugreise so nicht machbar. Erst das Ziel, die Zeit und danach das Ticket kaufen. Hat man, wie ich hier ein Interrail Ticket, muss man die Reservierung extra buchen, wie eine Fahrkarte quasi, erst dann erhält man den zugewiesenen Platz. Einmal hatte ich eine falsche Reservierung – die buchte der nette Schalterbeamte dann problemlos um. Tipp:Zeit einplanen und Reservierungen/Tickets ggf. an einem kleinen Bahnhof kaufen – oder im Internet (soweit möglich, da manche Verbindungen nicht beliebig im voraus buchbar sind). Auf die Auswahl der Fahrtrichtung und Fenster/Gang Einfluss zu nehmen, hat sich mir noch nicht erschlossen.

ICE (Deutschland)

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Intercity-Express

Der sollte bekannt sein, die erste Klasse weist hier mehr Komfort, freie Zeitung und Bedienung am Platz auf.

TGV Lyria (Schweiz)

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Lyria

Die Premium Klasse liefert auch hier Zeitungen zu Auswahl und bei einer längeren Strecke auch ein Getränk und ein Croissant. Bequeme Sitze und dabei eine ungewohnte Laufruhe runden das ab.

Der Zug nimmt aber erst in Frankreich so richtig Fahrt auf. Auf einer Strecke neben der Autobahn kann man sehen, wie der Zug hier spielend die auch nicht dahin schleichend fahrenden Autos überholt.

TGV (Duplex) (Frankreich)

https://de.m.wikipedia.org/wiki/TGV_Duplex

Durch  die Aufstockung der zweiten Sitzplatz Ebene, ist es auch in der Komfort Klasse noch bequem, aber mit einigen Abstrichen.

Neben dem Duplex fahren noch eine Reihe von TGV Zügen. Nur zur Information sei auch hierzu der link angegeben.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/TGV

Thalys (Frankreich)

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Thalys

Mit dem Thalys von Paris nach Köln in der ersten Klasse. Das kostet allein an Reservierungsgebühren 30 Euro.

AVE (Spanien)

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Alta_Velocidad_Española

Hier fand ich in der Verbindung Barcelona – Madrid die beste Ausstattung, mit Leder und sehr viel Platz. Leider streikte das Servicepersonal der Bahn, was es gegeben hätte, außer einem Getränk und einer Zeitung, kann ich nicht sagen. Dafür fährt dieser Zug mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit durch die Landschaft, das macht einen richtigen Fahrspaß!

Auch die Strecke Madrid nach Sevilla legt der AVE schnell und bequem zurück. Wie oben beschrieben, wird der Einscheckvorgang sehr akribisch vorgenommen, man fühlt sich wie auf dem Flughafen, nur das Gepäck wird nicht aufgegeben, findet aber viel Platz im Zug, sowohl im Einstiegsbereich, als auch oberhalb der Sitze.

Renfe (Spanien)

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Renfe

https://es.m.wikipedia.org/wiki/Media_Distancia

Übrigens fahren in Spanien auch die Züge für die mittleren Distanzen 200 km/h, wenn auch nicht überall. Die Preise sind sehr moderat.

Alfa Pendular (Portugal)

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Alfa_Pendular

Dieser portugiesische Zug schafft auch seine 220 km/h, ist laufruhig und bequem. Unterschied zur Touristenklasse ist hier ein Sitzplatz weniger – also 1 und 2 in der Reihe in der Premiumvariante, 2 und 2 in der zweiten Klasse. 

 

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